„Stammdaten aus dem digitalen Topf“ – Artikel im MM Maschinenmarkt zum VTH-eData-Pool

//„Stammdaten aus dem digitalen Topf“ – Artikel im MM Maschinenmarkt zum VTH-eData-Pool

Dieser Beitrag ist ein veröffentlichter Artikel im MM MASCHINEN MARKT KW37 2015. (Download als PDF)

STAMMDATEN AUS DEM DIGITALEN TOPF

Angetrieben durch die Digitalisierung gibt es eine neue Wettbewerbssituation für den technischen Handel. Der zuständige Branchenverband VTH fördert die Digitalisierung proaktiv mit einer eigenen Internetplattform.

Ulrich l. Manz und Ayhan Bulut

Die Digitalisierung führt zu einem stark veränderten Wettbewerbsumfeld, neue Marktteilnehmer attackieren Traditionsunternehmen. Innerhalb von Branchen kommt es zu Verschiebungen und Allianzen: von der klassischen Kapitalverflechtung bis hin zum Shared Service Center für bestimmte Funktionsbereiche. Dabei kann es sich auch um das Stammdatenmanagement handeln.

Durch die schnelle und umfassende Durchdringung seitens des Internets ergeben sich völlig neue Wettbewerbssituationen:

Die Zeit- und Raumunabhängigkeit erlaubt gänzlich neue Formen der Arbeitsorganisation und auch die Unternehmensprozesse selbst sind betroffen. Für den Handel werden präzise Informationen und schnelle Informationsbereitstellung, also extrem kurze Reaktionszeiten, zu einem unabdingbaren Muss. Unterschiedliche IT-Systeme mit zahlreichen Schnittstellen, gepaart mit enormem händischen Aufwand, können in absehbarer Zukunft zum K.O. eines Unternehmens führen.

Der VTH, Verband Technischer Handel e.V., fördert die so wichtige Digitalisierung seiner Mitgliedsunternehmen. Wesentlich für die Wertschöpfungskette des Handels sind hierbei Informationen: über Produkt, Verfügbarkeit, Lieferzeit und mehr. Produktinformationen sind letztendlich der Treiber für funktionierende Prozesse. Sie bestimmen, ob ein Händler erfolgreich ist oder nicht. Das Wahrnehmungsspektrum eines Händlers erweitert sich folglich für seine Kunden. Zusätzlich zur persönlichen Kompetenz tritt die nicht personalisierte Informationskompetenz hinzu. Wesentliches Qualitätsmerkmal wird die „Informationsgüte“ sein, an der gemessen wird. Letztendlich werden diese beiden Kompetenzfelder in sich verschmelzen, denn während eines Beratungsgespräches wird ein Händler auf digitalisierte Informationen zurückgreifen können. Kunden werden, egal ob auf der Baustelle oder im Büro, ob zu den üblichen Geschäftszeiten oder spät abends, aussagekräftige Produktinformationen von ihrem Händler via Internet einfordern können.

Die gute Nachricht ist, dass das persönliche Gespräch seinen hohen Stellenwert weiterhin behalten wird. Die schlechte: Ohne die Nutzung von digitalisierten Informationen wird es keine guten Verkaufsgespräche mehr geben. Während das persönliche Gespräch räumlich begrenzt ist, lassen sich digitale Informationen nicht begrenzen. In der Sprache der Systemtheoretiker: Es handelt sich um ein offenes System. Dieses offene System kennt keine Grenzen, keine Branchen- und schon gar keine Unternehmensgrenzen.

Hinzu kommt: Wir müssen uns von der tradierten Sicht auf Stammdaten verabschieden. Diese sind bis heute fest mit den Attributen „Langlebigkeit“ und „Unveränderlichkeit“ verbunden. Attribute, die in unserer schnelllebigen Zeit mit ihren kurzen Produktlebenszyklen und sich rasch verändernden Umweltbedingungen hinderlich, ja nahezu „destruktiv“ sind. Destruktiv, weil sie eine Reaktion auf schnelle Veränderungen nicht zulassen und somit potenzielle Geschäfte zunichte machen. Der VTH stellt deshalb gemeinsam mit der IFCC GmbH seinen Mitgliedern eine Plattform zur Aufbereitung und Verteilung von Produktstammdaten zur Verfügung: den „VTH-eData-Pool“

Mit „eData“ wird der Digitalisierung Rechnung getragen, mit „Pool“ der Tatsache, dass die Aufbereitung von Produktdaten quasi zentralisiert werden kann, jedoch mit der Möglichkeit, sie lokal zu ergänzen. Bei sinkenden Margen, steigender Konkurrenz sowie schneller Verschiebung von Branchengrenzen ist es nur noch sehr kurzfristig wirtschaftlich machbar (sinnvoll schon lange nicht mehr), dass jeder Akteur auf dem Markt Produktdaten aufbereitet.

DIGITALE ANLAUFSTELLE FÜR HERSTELLER UND TECHNISCHE HÄNDLER

Die Plattform – eine moderne Cloud-Anwendung – steht jederzeit und an jedem Ort zur Verfügung. Sie hat das Potenzial, zu einem „sozialen Netzwerk“ für Stammdaten zu werden. Die Multifunktionalität gibt sowohl Herstellern als auch Händlern die Möglichkeit, sich zu vernetzen und Daten schnell, sicher und unkompliziert auszutauschen. Gerade das Miteinander ist es, was für ein modernes, internetbasiertes Netzwerk unabdingbar ist. Innerhalb des klassischen Rollenverständnisses liefert der Hersteller die Informationen, die für gute Produktbeschreibungen notwendig sind. Diese werden im Anschluss von der Rolle der „Datenaufbereitung“ zu Produktstammdaten migriert und den Händlern zur Verfügung gestellt.

Aktuell funktioniert auch die VTH-Plattform auf diese Weise: Rollen werden innerhalb des Systems verschiedene Rechte und Module zugeordnet – für die Startphase eine sinnvolle und richtige Vorgehensweise. Aber: Schon heute ist Realität, dass Hersteller auch Händler sind oder Händlerverbünde existieren, die nach Fachkompetenzen die Pflege von Stammdaten aufgeteilt haben. Gerade für diese flexiblen Rollenverteilungen wird der VTH-eData-Pool in naher Zukunft zu einem unabdingbaren Werkzeug werden: Datenaufbereitung, Datenselektion sowie Datenverteilung werden auf nur einer Plattform vorgenommen; die bisherigen, festen Rollen können flexibel angepasst werden. Gerade die Möglichkeit, auf spezielle Situationen reagieren zu können, unterscheidet das Konzept und damit diese Plattform von den derzeit auf dem Markt befindlichen. Sie stärkt somit den Händler, den Hersteller, eben das Unternehmen, das zeit- und punktgenaue Informationen benötigt oder auch zur Verfügung stellen will. Der Netzwerkgedanke wird auch in Zukunft noch weiter verbreitet und eine Chat- und Mailfunktion innerhalb des Systems wird implementiert werden. Natürlich verbleiben die Daten nicht auf Dauer in diesem Netzwerk, sie werden in das unternehmensinterne ERP- oder PIM-System geladen. Mit den ERP- und PIM-Herstellern werden Schnittstellen vereinbart, der wesentliche Unterschied zu früher ist hierbei die Schnelligkeit und die Präzision.

Der VTH-eData-Pool zeigt somit, dass die häufig als Bedrohung wahrgenommene Digitalisierung ebenso eine Chance ist: für bessere Stammdaten, für reibungslosere Kommunikation zwischen Herstellern und Händlern und für zufriedene Kunden.

MM MASCHINEN MARKT KW37 2015

 

Der VTH Verband Technischer Handel e.V. existiert seit 1904. Knapp 300 Großhandlungen für industriellen und technischen Bedarf sind dort Mitglied, Hauptgeschäftsführer ist Dipl.-Volkswirt Thomas Vierhaus. Der digitale Stammdaten-Pool, der in diesem Artikel vorgestellt wird, ist seitJuni 2015 für Mitglieder des VTH nutzbar.

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